Logopädie

Logopädie

„Helfen wo andere sprachlos sind”

Logopädische Therapie findet bei Kommunikations-, Stimm- und Schluckstörungen Anwendung.

Logopädie ist eine therapeutische Fachrichtung.   

Beschäftigungsfelder sind Prävention, Beratung und Diagnostik sowie Therapie verschiedener Störungsbilder.

Es werden Störungen der Aussprache(Artikulation), der Stimme, der Sprache und des Sprechens sowie des Schluckens und der Atmung behandelt. In allen Therapiebereichen geht es um Kommunikation, also den Austausch von Informationen zwischen Menschen, die mehr oder weniger schwer beeinträchtigt sein kann. Es können Kinder und Erwachsene von unterschiedlichen Störungsbildern betroffen sein.

Logopäden arbeiten ganzheitlich! Das heißt, es wird unter Einbeziehung des gesamten Körpers, des jeweiligen Charakters eines Menschen und einer individuellen Zielsetzung gemeinsam mit dem Patienten gearbeitet. Zum Beispiel wird bei kindlichen Störungen besonders darauf geachtet, eine altersgemäße Behandlung spielerisch umzusetzen. Jeder Mensch ist einzigartig! Und ebenso individuell gestalten sich der Therapieablauf und der Therapieinhalt. Aus einem Pool von Übungen, Therapiemodellen, Behandlungsmodulen- und Programmen, Spielen und vielem mehr kann der Therapeut für das jeweilige Störungsbild auswählen und so die Therapie exakt für jeden einzelnen Patienten persönlich gestalten.

Täglich müssen wir gehörte Informationen weiterverarbeiten. Dieser im Gehirn ablaufende Prozess kann gestört sein. Die Störung der Weiterverarbeitung des Gehörten nennt man Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), auch auditive Verarbeitungsstörungen (AVS). Das Hörorgan selbst ist dabei völlig intakt und auch die Intelligenz ist in keiner Weise beeinträchtigt.
Gestört ist der Hörnerv.

Dieser leitet die Informationen an das Großhirn, um sie dort zu verarbeiten. Die unterschiedlichen auditiven Teilfunktionen können in unterschiedlicher Art und Ausprägung betroffen sein. Die auditiven Teilfunktionen sind: Lokalisation (Richtung und Entfernung der Schallquelle), Diskrimination (Unterscheiden), Selektion (Herausfiltern) und Dichotisches Hören (beidohriges Hören).

Die auditive Unterscheidung von Sprachlauten ist unter anderem von entscheidender Bedeutung beim Spracherwerb sowie bei Erlernen und Verwendung von Schriftsprache.

Phonetisch

Phonetische Störungen (Dyslalien) sind Störungen des sprachlichen Lauterwerbs und/ oder Lautgebrauchs. Sie werden dadurch erkennbar, dass einzelne Laute oder Lautverbindungen nicht nach den Regeln der Muttersprache angewendet bzw. nicht normgerecht artikuliert werden. Am bekanntesten dürfte in diesem Bereich das „Lispeln” sein. Bei der Aussprache der Laute /s/ und/oder /z/ stößt die Zunge z.B. gegen die Zähne oder durch sie hindurch. Aber auch andere Laute können betroffen sein und so die Verständlichkeit des Sprechers beeinträchtigen.

Phonologisch

Phonologische Störungen sind Störungen des Regelsystems, welches unserer Sprache zugrunde liegt sowie Störungen des systematischen Gebrauchs der Laute. Bei einer phonologischen Störung kann das Kind die Laute als Phone (isolierte Einzellaute) zwar korrekt bilden, verwendet sie aber nicht korrekt in ihrer bedeutungsdifferenzierenden Funktion. So kann beispielsweise der Laut /k/ fehlerhaft durch ein /t/ ersetzt werden. Aus dem Wort „Kuh” wird daher „Tuh” oder aus „Kind” wird „Tind”. Bei dem nachfolgenden Beispiel ändert sich durch die Lautvertauschung sogar die Wortbedeutung: aus „Kopf” wird „Topf”. In der Folge muss es zu Störungen in der Kommunikation kommen.

bezeichnen pathologische (krankhafte) Veränderungen der Stimme. Menschen, die von einer Stimmstörung beeinträchtigt sind, fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Im Bereich der gestörten Stimme gibt es viele unterschiedliche Ausprägungen und Symptome.

Die Therapie der Stimme erfolgt ganzheitlich, da die Symptome einer Stimmstörung meist diverse Bereiche des Körpers betreffen.

Der Stimmklang verändert sich, die Patienten zeigen eine erhöhte Anstrengung beim Sprechen, Muskeln im Hals- und Nackenbereich können sich verspannen. Einige Patienten werden kurzatmig.
Stimmtherapie beinhaltet daher folgende Bereiche:

  • Haltung/ Tonus (Körperspannung)
  • Stimme (Stimmklang)
  • Atmung
  • Prosodie
  • Intention

Ursachen können z.B. Reccurrensparesen (Lähmungen eines Nervs auf Stimmlippenebene), Tumore im Kehlkopfbereich, berufliche Überanstrengung bei fehlerhaftem Stimmgebrauch, Stimmlippenknötchen oder neurologische Erkrankungen sein.

Patienten, die an einer Aphasie leiden, hatten ihren Spracherwerb bereits vollständig abgeschlossen. Aufgrund einer neurologischen Erkrankung sind Sprache und Sprechen je nach Schwere der Erkrankung mehr oder weniger stark betroffen. In einigen Fällen kann die Sprache ganz verloren gehen. Da sich unter dem Begriff Sprache auch die Schriftsprache und das Begreifen von gesprochenen Worten und Sätzen, das Sprachverständnis, subsumieren, können Menschen, die an einer Aphasie leiden, auch nicht oder nur eingeschränkt schriftlich kommunizieren. Aphasiker fühlen sich von der Welt und ihren Mitmenschen isoliert.

Meist ist ein Schlaganfall (Apoplex) Ursache für eine Aphasie.
Aber auch ein Schädelhirntraumata kann z.B. zu einer Aphasie führen.

bezeichnet eine Störung der Sprechmotorik. Menschen mit einer Dysarthrie können die am Sprechvorgang beteiligten Muskeln nicht mehr richtig steuern. Das Zusammenspiel der Muskelgruppen ist gestört. Die betroffenen Menschen wissen ganz genau, was sie sagen möchten und welche Worte sie dazu benötigen, aber sie sind nicht in der Lage, die entsprechenden Laute (z.B. A-P-F-E-L) in der korrekten Reihenfolge zu bilden. Das Wort wird bei der Aussprache entstellt und der Zuhörer kann es nur schwer oder gar nicht mehr identifizieren. Für den Zuhörer klingt die Aussprache teilweise sehr unverständlich und „nuschelig”.

Viele Krankheiten z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose oder Chorea Huntington führen ebenfalls innerhalb des Krankheitsverlaufes zu den geschilderten Symptomen.

Der Spracherwerb ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich von der Geburt bis hin ins Erwachsenenalter zieht. Der Erwerb der Sprache als kommunikatives Mittel kann in jeder Phase einer Störung unterliegen. Häufig werden die ersten frühkindlichen Phasen des Spracherwerbs beeinträchtigt.

Hier kann z.B. ein verzögerter Sprechbeginn (Late Talker) auftreten. Es können auch Redefluss-, Sprech- und/ oder Kommunikationsstörungen in Form von Wortbedeutungsfehlern oder fehlerhaft gebildeter und eingesetzter Grammatik (z.B. „…ich habe mein Pudding geesst“) vorkommen.

Sprachentwicklungsverzögerungen oder Sprachentwicklungsstörungen sollten frühzeitig abgeklärt und gegebenenfalls logopädisch behandelt werden.
Immer mehr Menschen sind in ihrem Lebensalltag mit mehreren Sprachen konfrontiert und nutzen diese parallel. Zweisprachigkeit (Bilingualität) ist keine Seltenheit mehr und auch Mehrsprachigkeit nimmt aufgrund demographischer Veränderungen zu.

In unserer Praxis sind wir auf zwei- oder mehrsprachige Kinder, Jugendliche und Erwachsene eingestellt und passen die Therapien entsprechend an.

grammatische Störungen

In diesem Bereich sind Worte und/ oder Sätze betroffen. So können Wortendungen fehlen oder sind fehlerhaft gebildet (z.B. „du schlafen“). Innerhalb eines Satzes werden Worte ausgelassen oder die Reihenfolge der Worte ist nicht korrekt (z.B. „Auto laut ist.“)

Störung des Wortschatzes (Lexikon)

Der Wortschatz bezeichnet die Menge aller Worte, die ein Mensch versteht(passiv) und sprechen kann(aktiv).
Hier kann der Umfang des Lexikons eingeschränkt sein oder auch einzelne Wortmerkmale.

Wenn in diesem Bereich eine Störung vorliegt, fehlen zum Dialog notwendige Begriffe und werden durch unspezifische Worte wie „Dings“, „machen“, „tun“ ersetzt.

Ober- und Unterbegriffe können nicht in einem Zusammenhang gebracht werden
( Oberbegriff= Tier , Unterbegriffe = Maus, Giraffe, Regenwurm).

pragmatische Störung

In der Interaktion mit anderen Menschen ist es erforderlich, sprachliche (Laute, Worte, Sätze, Texte) und nicht- sprachliche (Mimik, Gestik) Zeichen so zu vermitteln und zu verstehen, dass keine Missverständnisse auftreten. Diese Fähigkeit nennt man Pragmatik. 

Treten in diesem Bereich Probleme auf, so zeigen Kinder, die eine pragmatische Störung haben z.B. einen instabilen und eher seltenen Blickkontakt, nutzen nur wenige Gesten, zeigen eine reduzierte Aufmerksamkeit beim Zuhören, sprechen häufig nach was gesagt wurde (Echolalie) und zeigen allgemein wenig Interesse an Gesprächen und Kontaktaufbau.

Störung des Lauterwerbs

Jeder Sprache liegt ein Lautsystem zugrunde, welches festlegt, welche Laute nach welchen Regeln kombiniert werden.

Kinder, die z.B. den Laut /r/ noch nicht erworben haben, werden also statt „Rakete“ „Lakete“ sagen, da sie das /r/ durch den Laut /l/ ersetzen, der ihnen bereits zur Verfügung steht.

Unser Gehirn ist dafür verantwortlich, Bewegungen zu planen und Kommandos an die entsprechenden Muskeln zu senden. Bei einer Sprechapraxie ist die Bewegungsplanung, die für das Sprechen erforderlich ist, gestört. Patienten mit einer solchen Störung verstehen jedes Wort und wollen entsprechend verbal reagieren, aber das Wort, welches sie im Kopf haben, können sie nicht bilden und aussprechen. In der Folge werden Lautabfolgen fehlerhaft und inkonstant vertauscht, so dass Worte für die Dialogpartner nur schwer oder gar nicht zu entschlüsseln sind.

Ursachen für eine Sprechapraxie sind z.B. Schlaganfälle, neurologische Erkrankungen oder Schädel-Hirn-Traumata.

Dieses Krankheitsbild sehen wir immer häufiger. Während des Essens oder Trinkens, verschlucken sich die Patienten oder das Essen wird im Mundraum hin und her bewegt, aber es kann nicht oder erst sehr verzögert heruntergeschluckt werden. Hier liegen als Ursache meist Erkrankungen des Gehirns vor. Aber auch altersbedingte Schluckstörungen lassen sich zunehmend beobachten.

Dabei liegt eine Veränderung des Schluckmusters als Folge von Alterungsprozessen der motorischen und sensorischen Leistungen vor (z.B. verminderte Speichelproduktion, Zustand der Zähne). Schluckstörungen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich, da nicht mehr alle Speisen und Getränke ohne Probleme zu sich genommen werden können. Beim Verschlucken gelangen Speisepartikel nicht wie beabsichtigt in die Speiseröhre, sondern sie geraten in die Luftröhre und können so zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen.

Hier handelt es sich um eine ungewollte Unterbrechung des Redeflusses, welche sich durch Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen von Lauten, Silben oder ganzen Wörtern bemerkbar macht (z.B. Mmmmm- ama ha-ha-hast du das gesehen?). Zusätzlich können emotionale und/oder körperliche Begleitsymptome auftreten
(z.B. Sprechängste, Vermeidestrategien, Mitbewegung des Kopfes, Ballen der Fäuste oder Zukneifen der Augen u.ä.).

ist eine Redeflussstörung, die mit einem unregelmäßig erhöhten Sprechtempo einhergeht. Silben- und Buchstabenverschmelzungen treten auf. Die Folge ist eine undeutliche und „verwaschene” Sprache. Die Betroffenen sind in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt.