Ergotherapie

Ergotherapie

"Ein Weg zur Selbstständigkeit"

Die Auswahl der Therapieformen zur Herstellung der Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit ist vielfältig.

Ergotherapie, was ist das?

Definition

Ergotherapie behandelt Menschen mit angeborenen oder erworbenen Einschränkungen in jedem Lebensalter zum Zweck der Genesung, der Verbesserung oder der Kompensation für eine größtmögliche selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung.

Dabei stehen innerhalb der ergotherapeutischen Behandlung vor allem die Gesamtheit des jeweiligen Patienten mit seinen Bedürfnissen und die Beziehung seiner einzelnen körperlichen und psychischen Teilbereiche zueinander im Vordergrund (ganzheitlicher Behandlungsansatz).

Bewegungsabläufe, Wahrnehmungen und psychische Empfindungen werden (wieder)hergestellt, trainiert, mit Hilfsmitteln kompensiert oder der Verlust dieser Funktionen verhindert bzw. deren Verlust zumindest zeitlich verzögert und sodann kompensiert.

Ergotherapie ist als Heilmittel von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und wird auch im Rahmen der Prävention eingesetzt.

(Definition des BED e.V. 2014)


Arbeitsschwerpunkte der Ergotherapie

  • Analyse der individuellen, dem Denken und Handeln zugrundeliegenden Funktionen und Fähigkeiten
  • Förderung der sensomotorischen Grundfunktionen und Fähigkeiten, die selbstständiges, problemlösendes Handeln, entwicklungsaufbauende Lernerfahrungen und soziale Kommunikation ermöglichen
  • Schaffung der körperlichen, psychisch-emotionalen und sozialen Voraussetzungen für Sicherheit und Selbststeuerung

Kennzeichnend für die ergotherapeutische Behandlungsweise ist also die Verknüpfung einer gezielten Förderung von Handlungskompetenzen und Grundstrukturen des Denkens und Handelns mit den aktuellen Bedürfnissen und Interessen des Patienten.


Maßnahmen der Ergotherapie allgemein:

  • Selbsthilfetraining (An- Ausziehen, Körperpflege, Essen, Haushalt)
  • Training sensomotorischer Fähigkeiten (Grob- und Feinmotorik, Koordination, Sensibilität, Gleichgewicht, Ausdauer, Muskelkraft…)
  • Neurophysiologisches Training und kognitives Training wie Konzentration, Gedächtnis, visuelle Wahrnehmung…)
  • Schienenberatung im konservativen und postoperativen Bereich (zur Schmerzreduktion, Stabilisation, Korrektur von Fehlstellungen)
  • Gelenkschutzberatungen, ergonomische Beratung
  • Hilfsmittelberatung, -versorgung und -training
  • Wohnungsadaptierung, Arbeitsplatzgestaltung
  • Angehörigenberatung
  • Handwerkliche und gestalterische Tätigkeiten

Behandlungsablauf

Die Zeitdauer der Behandlungseinheiten richtet sich nach der Verordnung des Heilmittels (sensomotorisch-perzeptive Behandlung, Hirnleistungstraining, motorisch-funktionelle Behandlung, neuropsychologische Behandlung), welche vom Arzt verordnet wird. Zwischen den Behandlungseinheiten liegt meist eine Woche, je nach Indikation werden die Abstände verkürzt. Die ergotherapeutische Behandlung erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von einigen Monaten, kann sich allerdings auch über einen wesentlich längeren Zeitraum erstrecken.


Behandlungskonzepte in der Ergotherapie

  • Sensorische Integrationstherapie nach Jean Ayres
  • Bobath Konzept
  • Interaktionstherapie nach Affolter
  • Kognitiv-therapeutische Übungen nach Perfetti
  • Neuropsychologisches Training nach V.Schweizer, Cogpack, Sima, Traeger
  • FOTT (Faszioorale Regulationstherapie v.a. nach Castillo Morales)
  • ADL-Training, Hilfsmittelversorgung und –beratung
  • Handtherapie
  • Sturzprophylaxe

Pädiatrie = Kinderheilkunde

Ergotherapie in der Pädiatrie wendet sich an Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter, wenn ihre Entwicklung verzögert ist, sie in ihrer Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Behinderung bedroht oder betroffen sind. Die Ursachen hierfür sind z.B. angeborene oder früh erworbene Störungen des Bewegungsablaufes infolge von Hirnschädigungen oder Entwicklungsstörungen, Sinnesbehinderungen, Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung, Störungen in der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit sowie psychische Erkrankungen und geistige Behinderungen.

Übergeordnetes Ziel ist immer größtmögliche Handlungskompetenz und im Zusammenhang damit die größtmögliche Selbstständigkeit des Kindes.

Dazu gehört z.B.

  • Verbesserung von Bewegungsabläufen, Tonusregulation (Muskelanspannung und Muskelentspannung) und Koordination
  • Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen/ sensorische Integration und die Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperschemas
  • Entwicklung und Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration und Ausdauer
  • Entwicklung und Verbesserung von sozio-emotionalen Kompetenzen, u.a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte, Motivation und der Kommunikation
  • Integration des Kindes in Familie und Umwelt
  • Kompensation bleibender Defizite, u.a. auch durch Hilfsmittel

Behandelt wird u.a. nach den Behandlungskonzepten von Jean Ayres (Sensorische Integrationstherapie), Affolter, Bobath, Castillo Morales, Frostig.
Grundsätzlich sollten alle in der Behandlung angebotenen Aktivitäten für das Kind in einem sinnvollen Handlungszusammenhang stehen. Der tatsächliche Entwicklungsstand des Kindes/ Jugendlichen ist die Grundlage aller Maßnahmen. Dafür müssen die geistigen, emotionalen und körperlichen Fähigkeiten und Defizite des Kindes erfasst werden. Die Beratung der Eltern und die intensive Zusammenarbeit mit ihnen sowie der Austausch mit anderen, das Kind betreuenden Personen sind unabdingbare Bestandteile der Behandlung.


Einleitung

Die Pädiatrie ist ein umfangreiches Gebiet, in dem die unterschiedlichsten neurologischen, orthopädischen und psychiatrischen Diagnosen bei Kindern zur ergotherapeutischen Behandlung führen können.

Grundsätzlich werden die gleichen Ziele und Inhalte wie in der Ergotherapie mit Erwachsenen befolgt, nämlich dem Menschen dabei zu helfen, eine durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung verloren gegangene bzw. noch nicht vorhandene Handlungsfähigkeit im Alltagsleben wieder zu erreichen.
Handlungsfähig im Alltagsleben zu sein bedeutet, dass der Mensch die Aufgaben, die er sich stellt und die, die ihm durch sein Leben bzw. die Gesellschaft gestellt werden, für sich zufrieden stellend erfüllen kann. Wichtigstes Wesensmerkmal ist die Handlungsorientierung in der Therapie, größere Handlungsfähigkeit das Ziel. Der Mensch wird in der Gesamtheit seiner Lebensbereiche, seiner körperlichen, geistigen und emotionalen Funktionen gesehen, so dass das soziale Umfeld des Kindes in die Therapie mit einbezogen wird. Insbesondere die Eltern eines Kindes haben eine große Bedeutung für dessen Entwicklungsmöglichkeiten. 

Ergotherapie in der Pädiatrie spielt sich deshalb immer zwischen Kind, Eltern, dem weiteren sozialen Umfeld und den Therapeuten ab.


Ergotherapie im pädiatrischen Behandlungsfeld

Im interdisziplinären Handlungsfeld sehen die Ergotherapeuten ihre Aufgabe in der Unterstützung von Kindern bei ihrer Entwicklung zu selbstständigen und handlungsfähigen Menschen. 

Die Ergotherapeuten benötigen für ihre Tätigkeit ein fundiertes medizinisches Fachwissen, um die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes vor dem Hintergrund seiner Erkrankung einschätzen zu können.

Dabei wird der derzeitige Entwicklungsstand des Kindes genauso wie die Entwicklungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit seinem sozialen Umfeld berücksichtigt. 

Die Kenntnisse über die krankheitsbedingten Gegebenheiten sind Voraussetzung, um darauf aufbauend entsprechende Therapieangebote machen zu können. So können kognitive Funktionen angebahnt und gefördert und Folgeschäden vermieden werden. Die betroffenen Menschen können so möglichst weitreichende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in ihrem Alltags- und Berufsleben erreichen. 

Es stehen deshalb auch nicht einzelne Krankheitssymptome im Vordergrund, sondern die Einschränkung der Handlungsfähigkeit. Es interessiert, was der Mensch aufgrund seiner Erkrankung oder Verletzung nicht mehr tun kann und wie ihm geholfen werden kann.

Der Behandlungsform Ergotherapie liegt die Vorstellung oder das Konzept zugrunde, dass Kranke und Behinderte über alltags- bzw. handlungsorientierte Aktivitäten und Prozesse ihre für ein sinnvolles Leben erforderlichen Kompetenzen entwickeln, erhalten, wiedererlangen oder erweitern können.

Dabei ist der Bezug zum Umfeld von ausschlaggebender Bedeutung. Hier geht es in erster Linie um eine Anpassung an vorgegebene Umfeldstrukturen.


Indikation

Ergotherapie in der Pädiatrie wendet sich an Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter, wenn ihre Entwicklung verzögert ist oder sie von Behinderung bedroht oder betroffen sind.

Beobachtungen, die zu einer Verordnung von Ergotherapie führen können, sind:

  • Das Kind ist in seiner körperlichen, sensorisch-perzeptiven, kognitiven oder psychischen Entwicklung gegenüber Gleichaltrigen verzögert.
  • Das Kind zeigt Ausfälle oder Störungen in der Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit.
  • Das Kind zeigt mangelnde Verarbeitung von Sinnesreizen (Störungen der Körperwahrnehmung, Probleme beim Erfassen von Beziehungen, Störungen im Symbolverständnis, Störungen der auditiven Wahrnehmung….).
  • Das Kind reagiert auf seine Mitmenschen und seine Umwelt mit übermäßiger Angst, Aggression, Abwehr oder Passivität.

Die Ursachen hierfür können zum Beispiel sein:

  • Angeborene oder früherworbene Störungen des Bewegungsablaufs infolge von Hirnschädigungen oder Entwicklungsstörungen
  • Unfall (z.B. Brandverletzungen, Querschnittslähmungen, Schädel-Hirn-Traumata)
  • Sinnesbehinderungen (z.B. Taubheit, Blindheit)
  • Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung (z.B. Dyspraxie, ADHS)
  • Störungen der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit
  • Psychische und psychosomatische Erkrankungen (z.B. Angststörungen, Aggression, frühkindlicher Autismus, Essstörungen)
  • Geistige Behinderungen
  • Syndrome (z.B. Trisomien, Dysmelien)
  • Muskelerkrankungen und Fehlbildungen

Die folgenden Diagnosen können zur Verordnung von Ergotherapie führen:

  • Entwicklungsstörungen/ Entwicklungsverzögerungen
  • Koordinationsstörungen
  • Cerebralparese
  • Schädel-Hirn-Trauma, Tumore
  • Statomotorische Störungen
  • Sinnesbehinderungen (Blindheit, Taubheit)
  • Anfallsleiden
  • Rheumatische oder Stoffwechsel-Erkrankungen (z.B. Muskeldystrophie)
  • Muskelerkrankungen (z.B. Muskeldystrophie)

Behandlungsansatz

Ergotherapeuten betrachten den Menschen in seiner Gesamtheit auf der Basis der Annahme, dass Gesundheit eine Balance zwischen Körper, Seele und Geist ist. Im Zentrum der Behandlung stehen die basalen sensomotorischen Funktionen, welche die Voraussetzung für die weitere, darauf aufbauende kognitive Entwicklung bilden. Lernen ist aktive Auseinandersetzung mit dem Umfeld. Das Kind lernt seine körperlichen Fähigkeiten einzusetzen, zu nutzen und zu organisieren. Emotionale Empfindungen begleiten das Handeln und wirken sich auf das Selbstbild, Selbstvertrauen und damit auf die psychische Entwicklung aus.
In der Behandlung gilt der Grundsatz, dass die angebotenen Aktivitäten für das Kind von Bedeutung sind.

Dem Kind wird ein entwicklungsentsprechendes und an seiner Einschränkung adaptiertes Umfeld zur Verfügung gestellt, in dem es agieren und das Tempo seiner Entwicklung mitbestimmen kann. Ergotherapeuten arbeiten mit der Motivation des Kindes.

Spezifische ergotherapeutische Arbeitsschwerpunkte sind dementsprechend:

  • Analyse der individuellen, dem Denken und Handeln zugrundeliegenden Funktionen und Fähigkeiten
  • Förderung der sensomotorischen Grundfunktionen und Fähigkeiten, die selbstständiges, problemlösendes Handeln, entwicklungsaufbauende Lernerfahrungen und soziale Kommunikation ermöglichen.
  • Schaffung der körperlichen, psychisch-emotionalen und sozialen Voraussetzungen für Sicherheit und Selbststeuerung.

Kennzeichnend für die ergotherapeutische Behandlungsweise ist also die Verknüpfung einer gezielten Förderung von Handlungskompetenzen und Grundstrukturen des Denkens und Handelns mit den aktuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes und seiner Familie.


Elternarbeit

In der Einleitung wurde bereits auf die Beziehung zwischen Kind, Eltern, dem weiteren sozialen Umfeld und der Therapeutin hingewiesen. Die Information über den Befund und das gemeinsame Erarbeiten und Verfolgen der Therapieziele und des Therapieverlaufs stellen eine wichtige Säule pädiatrischer Ergotherapie dar. Das Ziel dabei ist, die Probleme der Kinder für die Eltern verständlich darzustellen und ihr Bewusstsein für die Potentiale der Kinder zu stärken.
Nur wenn die Eltern das Verhalten des Kindes verstehen und die Therapie zu Hause unterstützen, kann sie erfolgreich sein.

Die Elternarbeit kann verschiedene Formen haben, z.B.:

  • Information oder Teilnahme der Eltern über und an Therapiestunden
  • Anleitung im Umgang mit dem Kind (z.B. Handling)
  • Hilfsmittelberatung und –erprobung
  • Elterngespräche
  • Informationsveranstaltungen für Eltern

Die Information über die Besonderheiten der Entwicklung des Kindes und seiner Entwicklungsperspektive sowie die therapiebegleitende Beratung zur Entlastung und Bereicherung im alltäglichen Umgang mit dem Kind unterstützen und verbessern die Wahrscheinlichkeit, dass die gemeinsamen Therapieziele erreicht werden.

Wichtig ist es, mit der Familie gemeinsam konkrete Möglichkeiten der Unterstützung, die auch zu Hause umgesetzt werden können, zu erarbeiten.
Auch die gemeinsame Suche nach adäquaten Möglichkeiten institutioneller Betreuung (Schule, Kindergarten u.a.) kann Thema sein.


Die ergotherapeutische Behandlung

Beginn der Therapie

Die genaue Diagnose der Ärzte und das Anliegen der Eltern und des Kindes bestimmen die ergotherapeutische Befunderhebung. Sie wird auf dem Hintergrund neurophysiologischer, anatomisch-funktioneller, entwicklungspsychologischer und lerntheoretischer Kenntnisse selbstständig und eigenverantwortlich erhoben. Die sensomotorischen Fertigkeiten stehen dabei im Mittelpunkt.

Überprüft werden:

  • Handlungsfähigkeit (Selbstständigkeit)
  • Bewegungsabläufe und motorische Funktionen
  • Sensorische Fähigkeiten
  • Perzeptiv-kognitive Leistungen
  • Interesse und Motivation, psychische Fähigkeiten

Die Befunderhebung gründet sich auf die strukturierte Beobachtung des Kindes im freien Spiel und bei konkreten Aufgabenstellungen. Vielfach kommen hier Videoaufzeichnungen zur exakten Bewegungs- und Handlungsanalyse zum Einsatz. Zur Auswertung der Beobachtung werden Entwicklungstabellen verwandt.Differentialdiagnostisch werden je nach Erstbefund standardisierte Aufgabenstellungen und normierte Tests hinzugezogen. In den Gesamtbefund fließen vorliegende Ergebnisse aus medizinischen und anderen fachtherapeutischen, psychologischen Befunden und Berichten ein. Auch die Einschätzung der Eltern, was die konkreten Probleme, aber auch die Stärken des Kindes im Alltag sind, bilden einen wichtigen Baustein des Gesamtbefundes.
Durch eine regelmäßige Verlaufskontrolle und ergänzende Befundaufnahmen wird berücksichtigt, dass sich bestimmte Merkmale und Mechanismen im Verhalten und Handeln erst über einen längeren Zeitraum herauskristallisieren und Symptomatiken sich im Entwicklungsverlauf verändern.


Behandlungsplanung

Aus dem ergotherapeutischen Gesamtbefund werden als Grundlage für die Behandlungsplanung die Behandlungsziele entwickelt. Übergeordnetes Ziel ist immer die größtmögliche Handlungskompetenz im Zusammenhang mit der größtmöglichen Selbstständigkeit des Kindes.

Weitere Ziele:

  • Verbesserung der Tonusregulation, der Bewegungsabläufe und der Koordination
  • Entwicklung der manuellen Geschicklichkeit
  • Entwicklung und Verbesserung der Selbst- und Umfeldwahrnehmung über eine Integration aller Sinneswahrnehmungen
  • Entwicklung und Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten wie z.B. Konzentration, Ausdauer, seriellen Leistungen, Handlungsfähigkeit und Problemlösungsstrategien.
  • Entwicklung und Verbesserung von sozioemotionalen Kompetenzen, u.a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte, der Motivation und der Kommunikation
  • Entwicklung und Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens und der zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Verbesserung der kognitiven Funktionen zur Kompensation eingeschränkter praktischer Möglichkeiten
  • Integration des Kindes in Familie und Umfeld
  • Kompensation nicht entwickelter oder verlorengegangener Funktionen und Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Erlangung von Handlungs- und Alltagskompetenzen auch unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel (Umgang und Gebrauch von Alltagshilfen)
  • Entwicklung und Verbesserung von Belastungsfähigkeit und Grundarbeitsfähigkeit

Damit das Kind auch über die Therapiesituation hinaus in seinem Umfeld möglichst vielfältige, selbstständige Handlungen realisieren kann, sind Beratungs- und Koordinationsleistungen auf unterschiedlicher Ebene wichtig. Umfeldanpassungen können therapeutisch notwendig werden und beziehen sich sowohl auf die räumliche Gestaltung (z.B. von Kinderzimmern oder Klassenräumen) als auch auf die Veränderung sozialer und emotionaler Zusammenhänge über Eltern-, Erzieherinnen- und Lehrerinnenberatung.


Rahmenbedingungen

Die Behandlungseinheiten dauern in der Regel 45 Minuten, sie werden in Form von Einzel- und Gruppenbehandlungen durchgeführt. Zwischen den Behandlungseinheiten liegt meist eine Woche, je nach Indikation werden die Abstände verkürzt oder verlängert, im stationären Bereich wird auch täglich behandelt. Die ergotherapeutische Behandlung erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von einigen Monaten, kann sich allerdings im Einzelfall auch über wesentlich längere Zeiträume erstrecken.

Die Hauptbeschäftigung der Kinder, dem Spiel, wird in den Räumen der Ergotherapie jede Möglichkeit geboten.

Neben den Materialien für altersgerechtes Spiel und Bewegung sind spezielle Therapiemittel notwendig.

  • In jeder ergotherapeutischen Einrichtung finden sich höhenverstellbare Tische und Stühle, die für den Patienten individuell und optimal als Ausgangsposition für feinmotorische Angebote eingesetzt werden.
  • Wenn ein Kind nicht in der Lage ist, aktive Spielpositionen einzunehmen, können ihm durch verschiedene Lagerungen oder Hilfsmittel Haltungen ermöglicht werden, die ihm die Aufmerksamkeit für die Körperkontrolle abnehmen und Möglichkeiten schaffen, sich mit Spiel- und Therapiematerial oder der Umgebung zu beschäftigen.
  • Für die somato-sensorische Förderung sind Materialien wie Linsenkiste, Bohnenbad, Pinsel, Bürsten, Schaum, Felle, Folien, Kleister, Fingerfarben und verschiedene Untergrundmaterialien vorhanden.
  • Zur Förderung der vestibulär-propriozeptiven Wahrnehmung ist die Hängematte das klassische Mittel. Die Integration der vestibulären Reize mit starken propriozeptiven Reizen während der Aktivität in der Hängematte sowie deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten machen sie in der SI-Therapie unverzichtbar. Daneben werden unterschiedliche Schaukeln eingesetzt sowie vielfältige Kletter- und Balanciermöglichkeiten, Seile, Rollbrett, Rutsche etc.
  • Im Werkraum befinden sich Materialien für handwerkliche Techniken (Holz, Ton, Farbe, Stoffe, Garne, Flechtmaterialien), die zur Schulung der Visuomotorik und der Feinmotorik eingesetzt werden.
  • Die Küche wird für das ATL-Training benutzt. Die Herstellung von Speisen bietet vielfältige Möglichkeiten, ergotherapeutische Ziele zu erreichen (Kraftdosierung, Körperschema, Auge-Hand-Koordination etc.) der Umgang mit Küchengeräten und Gegenständen des täglichen Lebens betont den sinnhaften Charakter der Therapiesituation, die Nahrungsmittel bieten sinnliche Erfahrungen.

Durchführung der Therapie:

Ergotherapeutisches Medium ist die Aktivität. Sie wird auf ihre Anforderung hin analysiert und entsprechend den individuellen Handlungsmöglichkeiten des Kindes für eine sinn- und lustvolle, vereinfachte, gesteigerte oder variierte Handlung eingesetzt.

Damit ist in der Pädiatrie schwerpunktmäßig eine problemlösende Spiel- und Bewegungshandlung gemeint, die durch die dazugehörigen Materialien (Spielsachen, Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände, Gebrauchsmaterialien) und notwendigen Hilfsmittel im spezifischen Setting konstituiert ist.

Die konkrete Behandlung, die Auswahl der einzusetzenden Therapiemittel und -methoden ist stets an den Möglichkeiten, den individuellen und aktuellen Interessen und der Eigeninitiative des Kindes sowie der vereinbarten Zielsetzung orientiert. Handwerkliche und gestalterische Prozesse sowie lebenspraktische Aktivitäten und Bewegungen werden dabei unter ergotherapeutischer Zielsetzung orientiert. Handwerkliche und gestalterische Prozesse sowie lebenspraktische Aktivitäten und Bewegungen werden dabei unter ergotherapeutischer Zielsetzung angeboten.

Neurologie

Indikation:

Ergotherapeutisch behandelt werden alle Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems.

Häufigste Krankheitsbilder sind:

  • Apoplex (Schlaganfall),
  • Schädelhirntrauma,
  • Rückenmarksläsionen/ Querschnittslähmungen
  • Tumore,
  • Parkinson-Syndrom,
  • Multiple Sklerose,
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes,
  • Demenzen unterschiedlicher Genese, z.B. Alzheimer,
  • Neuropathien unterschiedlicher Genese, z.B. Guillain-Barré-Syndrom,
  • Läsion peripherer Nerven, z.B. Armplexusläsion
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Behandlungsmethoden:

  • Manuelle Therapie (Verbesserung und Erhalt des Bewegungsapparates)
  • Bobath (neurophysiologische Behandlung)
  • Affolter (geführte Bewegungen)
  • FOTT (Schlucktraining) nach Castillo Morales
  • Proprozeptive neuromuskuläre Faszilitation (PNF)
  • Alltagstraining = Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)
  • Hirnleistungstraining, auch am Computer
  • Handwerklich-gestalterische Techniken

Behandlungsziele:

Das Ziel jeder ergotherapeutischen Behandlung ist es, ein Maximum an Lebensqualität zu sichern und eine größtmögliche Selbstständigkeit in allen Bereichen der persönlichen, häuslichen und beruflichen Lebensführung zu erreichen oder zu erhalten. Daher ist es wichtig, die Beeinträchtigungen des Betroffenen genau zu erkennen.

Speziell für Demenzkranke gewinnt die basale Stimulation immer mehr an Bedeutung. Bei diesem Konzept werden mittels Rhythmik, Körperkontakt und/oder Vibrationen die Empfindlichkeit für Berührungen und der Gleichgewichtssinn angesprochen.

Psychiatrie

Das Feld der Psychiatrie umfasst die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung aller seelischen Erkrankungen. Menschen jeden Alters können an den unterschiedlichsten psychiatrischen Erkrankungen leiden. Demenzerkrankungen, Zwangsstörungen, Suchterkrankungen, psychosomatische Beschwerden oder Depressionen sind nur einige der psychischen Leiden.

Ergotherapie und Psychiatrie sind zwei wichtige Komponenten in der Behandlung seelisch Kranker. Die Ergotherapie in der Psychiatrie soll den Betroffenen helfen, ihre Potentiale zu entdecken und durch die Erkrankung verlorengegangene Fertigkeiten wiederzuerlangen. Die Ergotherapie in der Psychiatrie arbeitet ganzheitlich und bezieht auch das Umfeld des Patienten mit ein.


Krankheitsbilder im Bereich Ergotherapie in der Psychiatrie:

  • Depressionen
  • Sucht
  • Psychosen
  • Essstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Burnout-Syndrom
  • Bipolare Störungen

Aufgaben der Ergotherapie in der Psychiatrie:

Die Hauptaufgabe der Ergotherapie ist das Wiedereingliedern der Patienten in die Gesellschaft. Dazu müssen die Motivation, die Belastbarkeit und die Ausdauer trainiert werden. Ganz wichtig sind das Einüben neuer Denkmuster und die Förderung des Selbstvertrauens. Die Betroffenen werden angeleitet, wieder selbstständig ihren Tagesablauf zu gestalten und zu strukturieren, ohne in die alten Verhaltensweisen zurückzufallen. Emotionale Fähigkeiten werden gefördert und der Patient lernt, seine Gefühle auszudrücken.


Ziele der Ergotherapie in der Psychiatrie:

Grundziele der Ergotherapie sind die Entwicklung, der Erhalt und die Verbesserung von psychischen Grundleistungsfunktionen. Dazu gehören die Selbstständigkeit, die Flexibilität und das situationsgerechte Verhalten. Ein Teilziel kann sein, den Betroffenen wieder in das Arbeitsleben zu integrieren. Die Ergotherapie hilft, Lebenskrisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen.

Ein weiteres Ziel der Ergotherapie ist die Verbesserung der eigenen Körperwahrnehmung. Der Patient lernt, seine Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen und zu äußern. Eine realistische Selbstwahrnehmung wird angestrebt und die Betroffenen lernen, Nähe zuzulassen und Grenzen abzustecken. Der Therapeut zeigt Übungen zur Entspannung und zum Aggressionsabbau.
Die Förderung der kognitiven Fähigkeiten ist ein weiteres Ziel der Ergotherapie. Kognitive Fertigkeiten sind Gedächtnisleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit der Psychiatrie wird dem Betroffenen geholfen, den Bezug zur Realität wieder herzustellen.


Behandlungstechniken / Therapie-Inhalte der Ergotherapie:

In der Ergotherapie wird häufig mit Materialien wie Holz oder Ton gearbeitet, um den Betroffenen die Möglichkeit zu geben, ihre Gefühle und Ängste gestalterisch wiederzugeben. Malen, Korbflechten, Töpfern – es gibt viele Möglichkeiten. Diese Aktivitäten sind unter dem Begriff Gestaltungstherapie zusammengefasst. Weitere Therapieinhalte sind Schulung von Aufmerksamkeit und Konzentration, auch als direkte Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in das Berufsleben.

Traumatologie, Orthopädie, Rheumatologie

Krankheitsbilder:

Die Ergotherapie behandelt im Bereich der Orthopädie/ Traumatologie/ Rheumatologie Menschen jeden Alters mit angeborenen und erworbenen Störungen des Bewegungsapparates, also z.B. bei / nach:

  • Arthrosen und / oder Endoprothesen
  • Osteoporosen und Osteomalazien
  • Angeborenen, degenerativen und akuten Erkrankungen der Wirbelsäule, z.B. Spina bifida, Skoliosen, Spondylolysen, Spondylotitis, HWS- und LWS-Syndromen, Bandscheibenprolapsen usw.
  • Tumoren der Knochen, Muskeln oder peripheren Nerven
  • Schulter-Arm-Syndromen, Impingementsyndrom, Schultersteife u.a.
  • Fehlbildungen, z.B. Dysmelien
  • Rückenmarksverletzungen
  • Amputationen und Replantationen
  • Frakturen, vor allem der oberen Extremitäten
  • Paresen des Plexus brachialis und der peripheren Nerven
  • Verletzungen von Muskeln und Sehnen, vor allem der oberen Extremitäten
    Verbrennungen
  • Posttraumatischen Reflexdystrophien
  • Entzündlichen, degenerativen und systemischen Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, z.B. Polyarthritis, juvenile chronische Polyarthritis, Psoriasis Arthritica, Spondylitis ankylosans, Morbus Bechterew, Morbus Lupus erythermatodes, Polymyositis usw.

Die ergotherapeutische Behandlung:

Funktions- und Fähigkeitsstörungen der Patienten: 

Die oben genannten Krankheitsbilder und Verletzungen weisen eine Vielzahl von Problemen und Symptomen auf, die zur Beeinträchtigung aller körperlichen und, je nach Umfang, Schweregrad und Dauer, geistig-psychischen Funktionen führen können.

Es kommt zu:
Muskulären Schwächen und einem gestörten muskulären Gleichgewicht
Einschränkungen im Bewegungsausmaß eines oder mehrerer Gelenke
Sensibilitätsstörungen unterschiedlicher Qualität und Quantität

  • Ödemen
  • Kontrakturen und Ankylosen
  • Gestörten Haltungs- und Bewegungsmustern
  • Schmerzsyndromen
  • Mangelnden Koordinationsfähigkeiten
  • Deformitäten der Gelenke
  • Gestörter Narbenbildung

Behandlungstechniken:

Schulter-, Arm- und Handtherapie:

  • Narbenbehandlung
  • Manualtherapeutische Behandlungstechniken
  • Thermische Anwendungen (Wärme/Kälte)
  • Maßnahmen zur taktilen Desensibilisierung
  • Gelenkschutzmaßnahmen = Beratung und Anpassung von Hilfsmitteln,
  • Erlernen von Kompensationsmechanismen
  • Tapen
  • Handwerkliche, spielerische und gestalterische Behandlungstechniken
  • Übungen zur Beweglichkeit, Muskelkraft, Ausdauer, Belastbarkeit
  • Posturale Therapie zur Haltungsstabilisierung,
  • Spiegeltherapie

Behandlungsziele:

Das grundlegende Ziel der Ergotherapie ist, die Selbstständigkeit in allen Bereichen der persönlichen, häuslichen und beruflichen Lebensführung, die physische und psychische Ausgeglichenheit und damit die Beibehaltung der alten oder Übernahme neuer Lebensrollen.

Im Einzelnen lassen sich folgende, mit dem Patienten und dem Rehabilitationsteam abzustimmende Ziele formulieren:

  • Erhalt von vorhandenen Funktionen, Vermeidung von Funktionsminderung (Prävention)
  • Verbesserung der Beweglichkeit, Muskelkraft, Ausdauer und Belastbarkeit
  • Verbesserung der Feinmotorik und der manuellen Geschicklichkeit
  • Desensibilisierung von Amputationsstümpfen und Narben, Verbesserung der sensiblen Funktionen
  • Einhändertraining, evtl. Umschulung auf die nichtdominante Hand
  • Verbesserung und Erhalt der Selbstständigkeit und der Alltagskompetenz
  • Erlernen von Gelenkschutzmaßnahmen zur Reduzierung der schmerzbedingten Reaktionen
  • Berufliche Wiedereingliederung
  • Psychische Stabilisierung

Ist eine volle Wiederherstellung in allen genannten Qualitäten nicht mehr möglich, bleibt also eine Behinderung bestehen, lernt der Patient in der Ergotherapie, diese mit Hilfe von veränderten Verhaltensweisen und Arbeitsabläufen, Tricks, speziellen Hilfsmitteln, Veränderungen in seinem häuslichen und sozialen Umfeld, speziellen Handschienen oder Prothesen auszugleichen.

Geriatrie

Die Geriatrie ist die Lehre der Krankheiten, die im Alter eines Menschen häufig vorkommen. Sie beschäftigt sich mit den akuten und z.T. chronisch auftretenden Erkrankungen der Patienten.

Die Ergotherapie in der Geriatrie beschäftigt sich im Wesentlichen mit den vorhandenen Grunderkrankungen bei Patienten mit neurologischen Ursachen. Wichtig sind die Ansätze der Therapien besonders bei den Fällen, bei denen Beeinträchtigungen durch z.B. Schlaganfälle oder Morbus Parkinson vorliegen und dementsprechend diagnostiziert worden sind. Auch die rheumatischen Erkrankungen fallen in diesen Behandlungskomplex und machen die Ergotherapie in der Geriatrie unverzichtbar.

In den meisten Fällen liegen bei den Betroffenen sog. altersbedingte Mehrfacherkrankungen vor. Der geriatrische Patient kann z.B. ein Schlaganfallpatient sein, der neben dieser Diagnose auch noch unter Arthrose in den Knien leidet. Gerade in diesen Fällen können ergotherapeutische Therapieansätze bei der Bewältigung der bestehenden Probleme im Bewegungsablauf hilfreich sein.

Die Ergotherapie in der Geriatrie berücksichtigt in der Therapieplanung die Multimorbidität und den Umgang mit den alten Menschen in gleicher Weise. Die Ergotherapeuten sind durch ein hohes medizinisches Fachwissen explizit prädestiniert und besitzen ein sehr hohes Einfühlungsvermögen und auch ausreichende Flexibilität gegenüber den erkrankten Menschen.


Krankheitsbilder und Auswirkungen

Typische Krankheitsbilder für die Behandlung durch die Ergotherapie in der Geriatrie sind die neurologischen Erkrankungen (z.B. Alzheimer), rheumatische und auch degenerative Erkrankungen des Skelettsystems der Patienten, Altersdepressionen und verschiedene Neurosen.


Aufgaben der Ergotherapie in der Geriatrie

Wichtig ist die Tatsache, dass sich der ältere Mensch durch die altersbedingten physiologischen Einschränkungen in einem labilen Zustand befindet. Es ist grundlegend immer so, dass jede weitere Erkrankung und Diagnosestellung einen alten Menschen sehr belastet und große physische, psychische und v.a. aber soziale Belastungen nach sich ziehen wird. Hier greift wiederum die Ergotherapie positiv in die Behandlung ein. Sie stellt sich ganz gezielt und effizient diesen Besonderheiten älterer Menschen. Wichtig ist, dass sich die alten Menschen der Diagnose stellen, um dann eine größere Selbstständigkeit im Alltag wieder zu erlangen.

Ein weiteres Aufgabengebiet der Ergotherapie ist, die verloren gegangenen Funktionen durch bestimmte Therapiemöglichkeiten wiederherzustellen und die noch gebliebene Funktionalität der Patienten zu erhalten.

Zu den wichtigsten Aufgaben der Ergotherapie gehört aber ohne Zweifel, dass die Patienten in den motorisch-funktionellen Fähigkeiten effizient gefördert werden. Durch diese Förderung wird dazu beigetragen, dass die Betroffenen über mehr Mobilität und Geschicklichkeit verfügen werden. Durch die gezielte Aufgabenverteilung soll dazu beigetragen werden, dass die Patenten in ihren kognitiven und neurophysiologischen Fähigkeiten gefördert werden.


Ziele der Ergotherapie in der Geriatrie

Die wichtigsten Ziele der Ergotherapie beruhen grundsätzlich auf dem Wohl und der Zufriedenheit der alten Menschen. Das oberste Ziel ist, die Pflegebedürftigkeit zu mindern oder vollends auszuschließen, die schon vorhandenen Beschwerden ggf. zu lindern und teilweise abzustellen. Die Ziele sind grundsätzlich immer handlungs- und altersorientiert.

Alle Ziele der Ergotherapie werden mit den Patienten und ihrem Lebensumständen sowie den Bedürfnissen festgelegt, erst danach wird die Therapie ausgerichtet. Die Therapien haben das Ziel, die Wiederherstellung bzw. die Verbesserung der Grob- und Feinmotorik, die Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung, die Konzentration, Belastbarkeit und Ausdauer zu verbessern.

Die Ergotherapie verfolgt weiterhin das Ziel, eine bessere Körperwahrnehmung im Alter zu erlangen sowie die Aktivierung geistig-kognitiver und neuropsychologischer Fähigkeiten voranzutreiben, um eine bessere Lebensqualität zu erreichen. Außerdem wird auch das Ziel verfolgt, die Alltagsbewältigung wie Essen und Trinken, Körperpflege und die eigene Fortbewegung weiter zu fördern oder wiederherzustellen.


Therapie-Inhalte

Es wird hier grundsätzlich in mehrere Therapieinhalte unterschieden, wie z.B. Trainingsmaßnahmen der sensorischen und motorischen Fähigkeiten, von der Verbesserung der eigenen Körperwahrnehmung durch die basale Stimulation, von Hirnleistungstraining, von der Versorgung mit Hilfsmitteln und von intensivem Training der sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Betroffenen.

Die Ergotherapie berücksichtigt grundsätzlich immer die Besonderheiten des alternden Menschen, indem ein spezifisches geriatrisches Behandlungskonzept erstellt wird.

Im Vordergrund steht die Ganzheitlichkeit des Menschen unter Berücksichtigung der verschiedenen Wechselwirkungen zwischen vorhandener Krankheit, Behinderung und seelischer Befindlichkeit und der sozialen Situation des Patienten.

Ein bewährtes Behandlungskonzept ist die Integration der Angehörigen in die Ergotherapie. Hier werden Techniken weitergegeben, die im häuslichen Bereich geübt werden können.

Therapiehund

Dieses zusätzliche Angebot erweitert unser Leistungsspektrum und bietet eine alternative Zugangsmöglichkeit selbst bei Menschen mit Problemen in Beziehungs- oder Kontaktaufbau. Die instinktive, nicht fordernde Annäherung des Therapiehundes senkt Hemmschwellen und kann "Türen öffnen". 

Ein Therapiehund kann in unterschiedlichen Bereichen positiv Einfluss nehmen auf:

  • Motivation
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Verbesserung der Wahrnehmung
  • Steigerung der Aufmerksamkeits- sowie Konzentrationsspanne
  • Abbau von Ängsten

Thermische Anwendungen

  • Aerodyn: Wärmemassage zur Lockerung der oberen Extremitäten zur Tonusregulation und zur Verbesserung der Oberflächen- und Tiefensensibilität
  • Vibrax: Massage zur Verbesserung der Oberflächen- und Tiefensensibilität
  • Eistherapie zur Verbesserung der Oberflächen- und Tiefensensibilität

Gruppenangebote

Das Marburger Konzentrationstraining (MKT)

Dieses Training findet ausschließlich in Gruppen statt. Es ist geeignet für Kindergarten- und Vorschulkinder, Schulkinder und Jugendliche. 
Für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten ist dieser Kurs ein Muss, für nicht betroffene Kinder eine nützliche Ergänzung zum Schulalltag. Er beinhaltet durch Vermittlung von Wissen über Konzentration und strukturierter Vorgehensweise eine Verbesserung der Interaktion zwischen Eltern und Kind.

Inhalt:
Den Kindern werden verbale Selbstinstruktionen sowie grundlegende Arbeitstechniken für den Schul- und Hausaufgabenalltag vermittelt. Weitere Bestandteile sind Wahrnehmungs- und Gedächtnisübungen, Phantasiereisen, Autogenes Training, Regelspiele etc.

Bei Kindergarten- und Vorschulkindern zeigen sich typische Verhaltensweisen, die auf eine Aufmerksamkeitsstörung hindeuten können:

  • Das Kind wechselt schnell von einer Aktivität zur anderen.
  • Das Kind scheint nicht zuzuhören.
  • Das Kind hat Schwierigkeiten in seinem Gruppenverhalten.
  • Dem Kind fällt es schwer, Regeln einzuhalten.
  • Das Kind kann nur schwer abwarten, bis es an der Reihe ist.
  • Das Kind fordert viel Aufmerksamkeit durch die Erzieherin oder den Erzieher.
  • Das Kind ist ungeschickt beim Basteln und Malen, aber körperlich sehr belastbar.
  • Das Kind zeigt Defizite in seiner Wahrnehmungsentwicklung.

Besonders profitieren von einem Konzentrationstraining Schulkinder,

  • Die sich leicht ablenken lassen,
  • Die noch nicht selbstständig arbeiten können,
  • Die sich wenig zutrauen,
  • Die sehr viel Zuwendung brauchen,
  • Die ein Defizit in einem oder mehreren Bereichen haben (Wahrnehmung, Sprache, Konzentration, Motorik, Leistungsmotivation…),
  • Die Anzeichen einer Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) haben,
  • Die schlecht mit Misserfolg umgehen können,
  • Die schulmüde sind.

Bei Jugendlichen können nachfolgende Verbesserungen erreicht werden:

  • Reflexiver Arbeitsstil statt impulsivem Vorgehen
  • Steigerung der Konzentrationsfähigkeit in unterschiedlichen Aufmerksamkeitsbereichen
  • Positive Einstellung zur Konzentration
  • Handlungsplanung
  • Vernünftiger Umgang mit Fehlern
  • Verbesserung der Selbstständigkeit
  • Zutrauen in eigenes Können
  • Veränderung des Leistungsverhaltens
  • Textverständnis
  • Denk- und Gedächtnisstrategien

Ziele:

  • Training der Selbststeuerung
  • Vernünftiger Umgang mit Fehlern
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft
  • Zutrauen in eigenes Können
  • Training von Regeln und Strukturen
  • Verbesserung der Schulleistungen

Das Training findet einmal wöchentlich statt und umfasst 6 Übungseinheiten zu je 75 Minuten inklusive Elternbegleitung. Während des Training findet ein Elterninformationsabend statt und ein Abschlussgespräch. Die Kosten belaufen sich auf € 99,00, da dieses Training keine Kassenleistung ist.